Der Hotelberater Podcast · Folge 01

Kurzfassung

Klassische Pauschalen wie „7 = 6″ oder Wellnesswochen stehen auf fast jeder Hotelwebsite, werden aber kaum gebucht. Gäste wollen individuell entscheiden und nicht für Leistungen zahlen, die sie nicht nutzen. Was dagegen funktioniert: echte Erlebnisse, die nur dein Haus bieten kann und über die Gäste nach dem Urlaub erzählen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Viele Pauschalen werden kaum gebucht und verursachen trotzdem operativen Aufwand.
  • Gäste wollen individuell entscheiden, Pakete wirken oft intransparent.
  • Ein Rabatt für längere Aufenthalte lässt sich einfacher über Mindestaufenthalte abbilden.
  • Erlebnisse statt Pauschalen: Sie positionieren das Haus und schaffen Gesprächsstoff.
  • Lieber drei, vier starke Angebote als dreißig austauschbare.
  • Angebote müssen operativ gut machbar sein, auch wenn viele Gäste buchen.

Warum klassische Pauschalen kaum noch funktionieren

Unter dem Reiter „Angebote & Pauschalen“ finden sich auf vielen Hotelwebsites dieselben Klassiker: 7 Nächte bleiben, 6 zahlen, die Wellnesswoche, das Romantik-Wochenende. Wertet man aus, wie oft diese Pakete tatsächlich gebucht werden, ist das Ergebnis meist ernüchternd.

Das hat einen einfachen Grund: Gäste haben bei Paketen oft das Gefühl, für etwas zu bezahlen, das sie gar nicht brauchen. Sie möchten vor Ort selbst entscheiden, ob sie eine Massage buchen oder abends auswärts essen. Dazu kommt, dass die meisten Gäste ihr Hotel heute über Bewertungs- und Vergleichsportale finden und erst spät, wenn überhaupt, auf der Angebotsseite des Hotels landen.

Bevor ein Angebot online geht, sollte deshalb immer die Frage stehen: Warum gibt es dieses Angebot überhaupt? Wenn es nur um einen Nachlass für längere Aufenthalte geht, lässt sich das einfacher über Mindestaufenthalte oder gestaffelte Preise lösen, ohne eigenes Paket.

Erlebnisse statt Pauschalen

Was Gäste heute suchen, sind Erlebnisse. Drei Beispiele, die uns in der Praxis begegnet sind:

  • Schlafen unter dem Sternenhimmel: Ein 4-Sterne-Hotel bietet ein Paket, bei dem Gäste beim Check-in ein Fernglas und eine Kuscheldecke bekommen, um abends vom Balkon aus die Sterne zu beobachten. Kein Rabatt, sondern ein Aufpreis, den Gäste gern zahlen.
  • Pyjama-Frühstück: Ein Hotel reserviert einen separaten Bereich im Frühstücksraum, in dem Gäste im Pyjama zu entspannter Musik frühstücken können. Ungewohnt, aber genau das macht es besonders. Es wird fotografiert, geteilt und weitererzählt.
  • Einmal selbst eine Kuh melken: Ein Familienhotel mit eigener Landwirtschaft lässt Gäste ab einem bestimmten Mindestaufenthalt beim Melken mithelfen. Das schafft Nähe, ist authentisch und macht Regionalität greifbar, statt sie nur aufs Etikett zu schreiben.

Allen drei gemeinsam: Das Hotel differenziert sich nicht über den Preis, sondern über etwas, das nur dieses Haus bieten kann.

Wie du auf die richtige Idee kommst

Nicht jedes Haus hat einen Bauernhof. Gerade Stadthotels mit gleich aussehenden Zimmern tun sich schwerer. Unser Rat:

  1. Setz dich mit deinem Team zusammen. Mitarbeiter haben oft die besten Ideen, weil sie das Haus und die Gäste am besten kennen.
  2. Schau, was du schon hast. Eine Küche, die man zeigen kann, ein Küchenchef mit Persönlichkeit, Partner aus der Region. Ein Blick hinter die Kulissen oder ein Chef’s Table kann bereits ein Erlebnis sein.
  3. Qualität statt Quantität. Drei, vier wirklich gute Angebote sind besser als dreißig, die niemand liest.
  4. Operativ durchdenken. Ein Angebot, bei dem das Team hofft, dass es bloß keiner bucht, ist das falsche. Von der Rezeption bis zum Housekeeping müssen alle dahinterstehen.
  5. Regelmäßig auswerten. Frag die Gäste, wie es ihnen gefallen hat, und passe die Angebote an.

Fazit

Weg vom Rabatt-Paket, hin zum Erlebnis. Wer sich ehrlich fragt, was das eigene Haus einzigartig macht, und daraus wenige, gut umsetzbare Angebote baut, ist besser aufgestellt als die allermeisten Hotels. Und hat endlich etwas, das sich zu bewerben und zu teilen lohnt.

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